Kulturaktie ist, wenn Finanzierung auf Emotion trifft: „Stromberg“ macht Gewinn

Facebook-Stromberg3.300 Fans hatten investiert und Stromberg ins Kino gebracht. (Das war hier im Blog schon einmal Thema.) Rund drei Wochen nach Kinostart ist die 1-Millionen-Zuschauer-Marke geknackt. Für die Investoren bedeutet das: Der Break even ist erreicht, das Investment ist in der Gewinnzone – ab jetzt gibt’s Kohle.

Das ist ein fulminanter Erfolg für den Film und ein weiteres Vorzeigeobjekt für die Crowdfunding-Branche. Gratulation an und Respekt für die Macher! Als Startup daraus ableiten zu wollen, dass Crowdfunding bzw. Crowdinvesting die ultimative Finanzierungsform für alle ist, wäre trotzdem an der Realität vorbeigedacht.

Insbesondere dann, wenn Geldgeber den Businessplan bereits geprüft und abgelehnt haben. Natürlich sollten Gründer an ihre Idee glauben und dranbleiben. Gleichwohl bleiben die selbstkritische Prüfung und die stetige Überarbeitung des Planes unabdingbar. Unternehmerische Planungsfehler bleiben unternehmerische Fehler, die sich früher oder später auswirken. Auch wenn noch 100 andere Menschen an die Idee glauben. Ihr Zuspruch ist ein positives Zeichen für den Start und darf gern als Bestätigung und Motivationsschub gesehen werden. Doch zwischen einer Idee und einem funktionierenden Business ist immer noch ein Unterschied.

Die „Kulturaktie“ stellt im Finanzierungsbereich eine sehr spezielle Nische dar. Und sie nimmt Aufschwung. Kaum eine Crowdfunding-Plattform, auf der sich keine Kulturprojekte finden: Bücher, Musikprojekte, Filme. Das ist gut so, das soll auch so sein; natürlich sollten die Beteiligten auch hier auf die Vertragsform achten. Doch Kultur unterscheidet sich deutlich von der Durchschnittsdienstleistung oder dem Durchschnittsprodukt.

Kultur ist anders. Kultur ist Gefühl. Daher sprechen Kulturprojekte eine ganz spezielle, dafür aber emotional stark verbundene Zielgruppe an. „High involvement“ nennt der Marketing-Fachmensch das. Konsumenten sind nicht nur einfach Käufer, sie sind Fans. Sie sind bereit, Geld für das auszugeben, woran ihr Herz hängt. Sie lesen keine Bücher, sie inhalieren sie. Sie hören keine Musik, sie gehen in ihr auf. Und sie sehen keine Filme, sie leben sie.

Auch Stromberg profitiert von diesen ganz besonderen Rahmenbedingungen. Der fiese Versicherungsvertreter hatte bereits Kultstatus, als die Idee zum Film aufkam. Ein breites Publikum verfolgte die gleichnamige TV-Serie regelmäßig und bescherte ihr Quotenhochflüge. Eine riesige Fangemeinschaft huldigte dem „Papa“. Allein auf Facebook hat die Serie 637.000 Fans.

Diese Vorteile waren auch Frédéric A. Komp, dem Geschäftsführer der produzierenden Brainpool Artist and Content Services GmbH, bewusst: „Die Investoren fiebern mit, sorgen dafür, dass andere ins Kino gehen – für uns ist das eigentlich viel besser.“

Wenn jeder, der der Serie auf Facebook folgt, ins Kino geht und noch eine weitere Person mitnimmt, dann brauchte es keine großen Rechenkünste, um zu ahnen, dass die 1 Million Zuschauer schnell erreicht sein würden. Kino ist nun einmal ein Gruppenereignis. Und noch längst nicht jeder Fan ist auf Facebook. „Da geht noch was“, wie „Papa“ sagen würde. Alles in allem konnte man „Stromberg – Der Film“ daher schon als bombensicheres Geschäft bezeichnen.

Reich werden konnten die Crowdinvestoren mit dem Film nicht: Das Maximalinvestment war auf 1.000 Euro gedeckelt, davon abhängig ist natürlich auch die zu erwartende Ausschüttung. Je Kinokarte floss bisher ein Euro an die Gemeinschaft der Investoren.  Für jeden weiteren Zuschauer werden 50 Cent je Kinokarte ausgezahlt. Wer 1.000 Euro investiert hat, bekommt also bei zwei Millionen verkauften Kinotickets eine Ausschüttung von 1.500 Euro.

Die Rendite ist super – sieht man davon ab, dass sie auch ein klein wenig Augenwischerei, da selbstproduziert ist. Denn wie gesagt, jeder, der investiert hat, wird auch selbst ins Kino gehen und seine Freunde mitnehmen. Vielleicht sogar mehrfach. Ein bisschen erinnert das an die selbstbefruchtende Wüste, bei der ein Gründer zwei Unternehmen aufstellt, die sich gegenseitig ihre Leistungen abkaufen. Wo wird das fließende Geld tatsächlich erwirtschaftet?

Genau darauf sollten Gründer anderer Branchen achten: Sich nicht von solchen zweifellos Mut machenden, aber eben auch von Sonderbedingungen profitierenden Beispielen zu sehr beeindrucken lassen. Kluge Unternehmer brauchen auch weiterhin einen spitzen Stift, ein klares Konzept und ein Geschäft, das sich auch langfristig verkaufen lässt. Weil es ein Bedürfnis befriedigt und Probleme löst. Crowdinvesting kann dann, ähnlich wie bei „Stromberg- Der Film“ einen Teil der Finanzierung darstellen. Insgesamt sollte die aber auf breitere Füße gestellt sein, um ein solides Finanzfundament zu schaffen. „High involvement“ schadet trotzdem nicht. Wer beides erreicht, dem kann man nur gratulieren. Denn wie Stromberg sagen würde: „Mit Seifenblasen kannst Du kein Tennis spielen.“

Quellen:

BRAINPOOL Artist & Content Services GmbH / MySpass.de: Kampagne „Stromberg, der Film“. http://www.myspass.de/myspass/specials/stromberg-kinofilm/fragen-und-antworten/faq/#investment, abgerufen am 05.04.2014

Gläser, Susanne: Ich habe seit 17 Jahren mein Gehalt nicht erhöht – Interview mit Dr. Hendrik Brandis, Earlybird. In: VentureCapital Magazin, 15. Jahrgang 2014, Nr. 3 (März). GoingPublic Media AG.

Jansen, Jonas: Stromberg-Investoren machen jetzt Gewinn. http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/boerse-inside/millionen-marke-geknackt-stromberg-investoren-machen-jetzt-gewinn/9628924.html, abgerufen am 19.03.2014

Möthe, Alexander: Strombergs Filmfinanzierung – Das schafft nur der Papa. http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/strombergs-filmfinanzierung-das-schafft-nur-der-papa/9489946.html; , abgerufen am 19.03.2014

Ritter, Arne: Strombergs Job-Regeln – Mit Seifenblasen kannst du kein Tennis spielen. http://www.karriere.de/karriere/mit-seifenblasen-kannst-du-kein-tennis-spielen-166460/ , abgerufen am 19.03.2014

MySpass.de: Facebook-Fanseite von „Stromberg“. https://www.facebook.com/pages/Stromberg/13274077007, abgerufen am 19.03.2014

Tuma, Thomas / Krumrey, Kirsten: Stromberg-Erfinder Husmann – Ich selbst habe auch 1000 Euro investiert. http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/stromberg-erfinder-husmann-ich-selbst-habe-auch-1000-euro-investiert/9489964.html, abgerufen am 19.03.2014

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