„Stromberg“ macht’s vor: Ist Crowdfunding das Jedermanns-Investment?

stromberg_kinocharts

Stromberg soll ins Kino – das war 2011 die Idee der Macher der Kult-TV-Serie. Doch wie jedes Filmprojekt brauchte die Umsetzung Geld. Die Lösung: „Crowdfunding“ – die Fans finanzieren den Film mit. Der Erfolg überraschte die Produzenten selbst: Statt nach den erwarteten drei Monaten hatten die Fans schon nach der ersten Woche die nötige Projektsumme von 1 Million Euro aufgebracht. Am 20. Februar 2014 kam der Film ins Kino.

2011 noch weitgehend unbekannt, hat Crowdfunding dank des Films enorm an Bekanntheit gewonnen. Wie Pilze schießen Projekte und Finanzierungsplattformen aus dem Boden. Deutschland ist im Crowdfunding-Fieber: Jeder kann mitmachen, jeder kann dabei gewinnen. Doch ganz so simpel ist es nicht. Und hinter dem Klick auf den „Ich-bin-dabei“-Button lauern oft Fallstricke.

Wer sich näher mit dieser noch relativ jungen Finanzierungsform beschäftigt, stößt auf unterschiedliche Begriffe. Crowdfunding ist der Oberbegriff. Innovativen Projekten und Gründern fehlt es oftmals an Kapital. Auf sogenannten Crowdfunding-Plattformen können sie ihr Projekt im Internet vorstellen und Geld einwerben. Bereits ab kleinen Beträgen können sich Geldgeber beteiligen; damit sollen möglichst viele Kleininvestoren angesprochen werden . Deswegen wird diese Finanzierungsform oft auch als „Schwarmfinanzierung“ bezeichnet.

Rollenmodell-crowdfunding

Es gilt das „Alles-oder-nichts“-Prinzip: Kommt die Finanzierungssumme zusammen, wird das Projekt umgesetzt. Wenn nicht, erhalten die Finanziers ihr Geld zurück. Für ihre Unterstützung bekommen sie abhängig von Finanzierungsbetrag ein Dankeschön: Bei Stromberg wurden die Geldgeber z.B. im Abspann genannt oder konnten als Statisten selbst im Film mitwirken.

Die Finanzierung des Films „Stromberg“ stellt eine Sonderform dar: Das Crowdinvesting. Statt an Projekten beteiligen sich zahlreiche Personen mit typischerweise geringen Geldbeträgen über das Internet an zumeist jungen Unternehmen. Anders als beim klassischen Crowdfunding werden sie zu sogenannten Mikroinvestoren: Sie werden Miteigentümer am Unternehmen. Damit werden sie in der Regel sowohl an den Chancen, als auch an den Risiken des Unternehmens beteiligt. Zumeist geschieht das über stille Beteiligungen, Genussrechte oder partiarische Darlehen.

Wie bei jedem Investment liegt auch hier der Anreiz in einer erhofften hohen Rendite. Dr. Hendrik Brandis, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter von „Earlybird Venture Capital“, mahnt Kleinanleger zu einer realistischen Einschätzung. Vom „VentureCapital Magazin“ befragt, antwortete er: „Die Start-ups, die auf den Crowdinvesting-Plattformen nach Kapital Ausschau halten, sind oft die, die wir und andere Venture-Capital-Gesellschaften schon auf dem Tisch hatten und abgelehnt haben. Privatinvestoren sollten entsprechend vorsichtig agieren.“

Eingesammeltes Kapital Crowd funding-Monitor 10 2011

Die Rechtsverhältnisse zwischen Start-up und Mikroinvestoren sind oft sehr komplex. Laien können sie kaum durchschauen. Eine einheitliche gesetzliche Regelung für Crowdinvesting gibt es in Deutschland noch nicht. Je nach Ausgestaltung des Crowdinvesting-Vertrags gelten die eingeworbenen Gelder als Eigen- oder Fremdkapital. Damit fallen sie sowohl in Bezug auf die verbundenen Rechte und Pflichten als auch steuerlich unter verschiedene Gesetze.

Oft ist den Gründern nicht bewusst, welche Mitbestimmungsrechte sie ihren Geldgebern damit einräumen. Steht die nächste Finanzierungsrunde an, bei der ein klassischer Investor einbezogen werden soll, kann dies zu Problemen führen. Einerseits verlangen Investoren häufig, dass die Anzahl der Gesellschafter möglichst gering gehalten sein soll, um ihr Mitbestimmungsinteresse umsetzen zu können. Sie verlangen dann die Übertragung der Anteile der Mikroinvestoren an sie.

Andererseits müssen die Mikroinvestoren abhängig von der Vertragsgestaltung ihres Anteils der Einbeziehung eines Investors zustimmen. Sieht der Vertrag auch noch einen finanziellen Ausgleich für einen solchen Fall zu, erhöht das den Kapitalbedarf für die geplante Finanzierungsrunde.  Und wer 100.000 € über Gesellschaftsanteile á 100 € eingeworben hat, braucht von 1.000 Gesellschaftern die schriftliche Zustimmung. Allein die organisatorische Umsetzung ist also schwierig.

Crowd funding-Plattformen Projektstatus Crowd funding-Monitor

Auch die Rechtslage zu den Anforderungen an Vermittlungsplattformen ist gesetzlich noch nicht eindeutig geregelt. Die zuständigen Behörden wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) haben noch nicht entschieden, ob Crowdfunding-Plattformen Bankgeschäfte betreiben – wofür de facto alles spricht. Ist dies der Fall, fallen mindestens die Crowdinvesting-Plattformen unter §1 Kreditwesengesetz (KWG) – und müssen damit alle bankaufsichtsrechtlichen Anforderungen der BaFin erfüllen.

So brauchen sie eine Bankgeschäftsbetriebserlaubnis. Unter anderem müssen dazu neben ausreichendem Eigenkapital nach § 33 KWG die Geschäftsleiter ihre fachliche Eignung nachweisen. Das bedeutet in der Regel, dass diese bereits in einem von der BaFin anerkannten Kreditinstitut mindestens 3 Jahre Vorstand gewesen sein müssen. Ob die Betreiber von Crowdfunding-Plattformen diese Voraussetzung erfüllen, darf bezweifelt werden. Die Folgen eines solchen Gesetzesentscheides (der sowohl für die Gründer als auch die Mikroinvestoren zu begrüßen wäre), ist noch nicht absehbar. Verbraucherschützer kritisieren daher, dass die Plattformen auf die Rechtsfolgen eines Investments nur ungenügend hinweisen.

Nun, zumindest für die BRAINPOOL Artist & Content Services GmbH als Produzenten und für die Investoren von „Stromberg “ scheint alles gut gegangen zu sein. Laut Angaben der media control® GfK lösten rund 222.000 Besucher zwischen Donnerstag und Sonntag nach Kinostart ein Ticket für die Komödie von Regisseur Arne Feldhusen. Damit führt der Film aktuell die Kinocharts an.

Die Mikroinvestoren dürfte es freuen: Werden 1 Million Kinotickets verkauft, wird an die Investorengemeinschaft pro verkauftem Kinoticket 1,00 Euro ausgeschüttet. Für jedes weitere Ticket gibt es 0,50 Euro. Ab 1 Million Kinobesucher kommt ihr Investment also in die Gewinnzone. Nach diesem rasanten Start scheinen die Aussichten dafür gut. Oder wie Stromberg sagen würde: „Lass das mal den Papa machen.“

 

Quellen:

  1. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Qualifikation als Geschäftsleiter eines Kreditinstitutes (§ 33 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4; Abs. 2 KWG) . http://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Auslegungsentscheidung/BA/ae_000404_kwg_gl_quali.html; abgerufen am 05.03.2014
  2. Gläser, Susanne: Ich habe seit 17 Jahren mein Gehalt nicht erhöht – Interview mit Dr. Hendrik Brandis, Earlybird. In: VentureCapital Magazin, 15. Jahrgang 2014, Nr. 3 (März). GoingPublic Media AG.
  3. http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/verbraucher-crowdinvesting-ist-riskant—hinweise-fehlen-haeufig-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140304-99-04561, abgerufen am 05.04.2014
  4. Kreditwesengesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. September 1998 (BGBl. I S. 2776), das zuletzt durch Artikel 1 u. 8 des Gesetzes vom 28. August 2013 (BGBl. I S. 3395) geändert worden ist: § 1; § 32; § 33. http://www.gesetze-im-internet.de/kredwg/BJNR008810961.html; abgerufen am 05.03.2014
  5. MediaControl GfK: Kino-Charts: Papa #Stromberg setzt sich auf den Thron. MediaControl Twitter-Account; https://twitter.com/media_control, abgerufen am 05.03.2014
  6. MySpass.de: Kampagne „Stromberg, der Film“. http://www.myspass.de/myspass/specials/stromberg-kinofilm/fragen-und-antworten/faq/#investment, BRAINPOOL Artist & Content Services GmbH. Abgerufen am 05.04.2014
  7. Spiegel Online / vks/dpa/AFP: Crowdfunding für Kinofilm: Bravo, Stromberg – die Zahlen stimmen!. http://www.spiegel.de/kultur/kino/crowdfunding-fuer-kinofilm-bravo-stromberg-die-zahlen-stimmen-a-805389.html, abgerufen am 05.04.2014
  8. Süddeutsche Zeitung / Deutsche Presseagentur: Crowdinvesting ist riskant – Hinweise fehlen häufig. http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/verbraucher-crowdinvesting-ist-riskant—hinweise-fehlen-haeufig-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140304-99-04561, abgerufen am 05.04.2014
  9. Kreßner, Tino: Crowdfunding für Stromberg Kinofilm (Crowdinvestment, Kulturaktie) .  http://www.startnext.de/Blog/Blog-Detailseite/b/Crowdfunding-fuer-Stromberg-Kinofilm-Crowdinvestm-317. Startnext.de, abgerufen am 05.04.2014
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