HORIZON 2020 & die Schweiz: Forschen ja, Fördern (vorerst) nein

Flag of Switzerland Wie schon im Beitrag Schweizer Volksentscheid: Mögliche Folgen für deutsche Forschungsprojekte vermeldet, hat die EU die Verhandlungen über die Assoziierung der Schweiz zum EU-Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 vorläufig eingestellt. Zu unklar sind die Auswirkungen des Schweizer Referendums auf die bilateralen Beziehungen zur EU.

Inzwischen hat sich die EU-Kommission über die Folgen für Forschungskooperationen im Rahmen von HORIZON 2020 geäußert: Die Schweiz wird in den aktuell laufenden Ausschreibungen für 2014 den Status eines Drittstaats „third country“ haben. Doch was bedeutet das für Antragsteller im Bereich der Verbundforschung ganz konkret?

Ein bisschen Schweizer Sonderstatus bleibt; trotzdem sind die Konsequenzen weitreichend:

  • Auswirkungen auf die Gesamtprojektförderung: Anders als befürchtet, werden Projekte mit Schweizer Partner nicht vollständig von der Förderung ausgeschlossen. Schweizer Einrichtungen können weiterhin als Partner oder auch Koordinator am Projekt teilnehmen. Als nicht assoziiertes Land können sie jedoch nur in Ausnahmefällen eine Förderung erhalten.
  • Auswirkungen auf die Fördervoraussetzungen: Schweizer Partner werden nicht für die erforderliche Mindestteilnehmerzahl von drei Partnern aus drei unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten oder Assoziierten Ländern berücksichtigt. Verbundprojekte brauchen somit inklusive der Schweiz mindestens vier Teilnehmer. Auch die „host-driven actions“ des Marie Skłodowska-Curie Programms – ITN und RISE unterliegen dieses Anforderungen.
  • Auswirkungen auf Gastinstitutionen:
    In den aktuellen Aufrufen entfallen Schweizer Organisationen als Gastinstitution (beneficiary) für ERC Grants und MSC Individual Fellowships. Sofern sie eine Gasteinrichtung in einem EU-Mitgliedsstaat oder Assoziiertem Land wählen, sind Schweizer Wissenschaftler jedoch weiterhin antragsberechtigt.
  • Auswirkungen auf FP7-Projekte: Projekte des 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, Technologische Entwicklung und Demonstration (FP7) sind von den Änderungen nicht betroffen.

Die Antworten auf häufig gestellte Fragen hat die Europäische Kommission in einem FAQ-Dokument zusammengefasst (in Englisch): http://ec.europa.eu/research/participants/data/ref/h2020/other/hi/h2020-hi-swiss-part_en.pdf

Weitere Informationen stellt die Europäische Kommission auf dem Teilnehmerportal zur Verfügung: http://ec.europa.eu/research/participants/portal/desktop/en/funding/reference_docs.html#h2020-grants-manual-hi-3cpart

Auf dem Teilnehmerportal informiert die EU auch über aktuelle Entwicklungen.

Fazit: Ganz so extrem wie befürchtet, sind die Folgen für deutsche Verbundforschungsprojekte also nicht. Trotzdem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und Änderungen sind noch möglich – auch zum Negativen, falls sich die Situation verschärfen sollte. Zur Sicherheit sollten Verbundunternehmen sich darauf einstellen und Vorsorge dafür treffen. Anregungen dafür finden Sie hier im Blog im Beitrag vom 19. Februar 2014.

 

Quellen:

  1. Europäische Kommission, Teilnehmerportal für Forschung und Innovation : http://ec.europa.eu/research/participants/portal/desktop/en/funding/reference_docs.html#h2020-grants-manual-hi-3cpart, abgerufen am 04.03.2014
  2. Europäische Kommission, Teilnehmerportal für Forschung und Innovation : http://ec.europa.eu/research/participants/data/ref/h2020/other/hi/h2020-hi-swiss-part_en.pdf, abgerufen am 04.03.2014
  3. Newsletter der Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (KoWi) vom 26.02.2014
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